Wir freuen uns sehr, mit Prof. Dr. Ulrike Fickler-Stang eine international ausgewiesene Expertin im Bereich der Jugenddelinquenz, der pädagogischen Organisationsentwicklung und der multiprofessionellen Zusammenarbeit für Kinder und Jugendliche in Risikolagen begrüßen zu können.
Neben ihrer langjährigen wissenschaftlichen Tätigkeit verfügt Frau Fickler-Stang über vielfältige berufspraktische Erfahrungen, die ihr hohes Interesse an der Verbindung von universitärer Forschung und Lehre mit praxisbezogenen Tätigkeiten und Themen eindrucksvoll belegen. So studierte Frau Fickler-Stang nach einer Berufsausbildung zur Rettungsassistentin zunächst Geschichte und Sonderpädagogik mit den Schwerpunkten Verhaltensgestörtenpädagogik und Lernbehindertenpädagogik, bevor sich mehrjährige freiberufliche Tätigkeiten in schulischen und außerschulischen Kontexten, in der Weiterbildung und in der ambulanten Jugendhilfe anschlossen. Seit 2010 arbeitete sie nebenberuflich in der Fallberatung von Fachkräften in pädagogischen und therapeutischen Kontexten zum Umgang mit abweichendem Verhalten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, seit 2016 auch als Lehrkraft der Bildungsakademie der Justiz. In dieser Zeit blieb sie auch wissenschaftlich kontinuierlich tätig und wurde 2018 mit der Arbeit „Dissoziale Kinder und Jugendliche - unverstanden und unverstehbar? Frühe Beiträge der Psychoanalytischen Pädagogik und ihre aktuelle Bedeutung” an der HU Berlin promoviert, wo sie bis zu ihrem Wechsel an die Leibniz Universität als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rehabilitationswissenschaften tätig war.
Die Leitung der Philosophischen Fakultät freut sich sehr auf die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ulrike Fickler-Stang sowie ihren wissenschaftlichen Beitrag am Institut für Sonderpädagogik.
Zwei Fragen an Prof. Dr. Ulrike Fickler-Stang
Meine aktuellen Forschungsthemen in drei Sätzen:
Meine Forschung beschäftigt sich u.a. mit der Frage, wie pädagogisches Handeln unter herausfordernden institutionellen und gesellschaftlichen Bedingungen gestaltet werden kann – insbesondere im Spannungsfeld von Zwang und Grenzsetzung, Beziehung und punitiven Tendenzen, Partizipation und Inklusion. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte sowie auf den Auswirkungen von Krisen, Armut und sozialer Ungleichheit auf die psychosoziale Entwicklung und auf die Bildungsteilhabe von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Darüber hinaus widme ich mich mit Kolleg*innen aus verschiedenen Ländern in internationalen Projekten pädagogischen Praktiken und Bedingungen von Bildung in institutionellen Kontexten, insbesondere im Jugendstrafvollzug.
In der Lehre ist mir besonders wichtig:
In der Lehre ist mir besonders wichtig, Studierende nicht nur bei der Aneignung fachlichen Wissens zu unterstützen, sondern sie auf dem Weg zu einer reflexiven und verantwortungsvollen pädagogischen Professionalität zu begleiten. Dazu gehören für mich die intensive Arbeit an konkreten Fällen, der Dialog und die gemeinsame Reflexion ebenso wie eine enge Verbindung von Theorie, Forschung und pädagogischer Praxis. Studierende sollen lernen, komplexe und auch widersprüchliche Situationen auszuhalten, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und eigene professionelle Entscheidungen begründet zu treffen. Die Universität verstehe ich dabei als einen Ort, an dem Neugier, kritisches Denken und Partizipation ausdrücklich erwünscht sind.